Bgm. Wolfgang Gaida zur Unwetterwarnung

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Bgm. Wolfgang Gaida

Wir schreiben den 12. September. Während ich diese Zeilen schreibe, regnet es draussen. Nach dem heissen und trockenen Sommer könnte man erleichtert meinen „endlich“.
Dem ist aber nicht so, weil nun zu viel Regen auf einmal vorhergesagt wird, was nicht nur mich beunruhigt. Ich möchte Sie an so einem Fall und was mir dabei durch den Kopf geht, teilhaben lassen, auch um ein wenig zu beruhigen, denn mit meinem Team überlasse ich nichts dem Zufall. Sie können sich auf uns verlassen!

Verlässliche Warnungen

Zuerst das Gute an der Sache: Wir werden prompt und umfassend informiert. Im konkreten Fall habe ich schon einen Tag vor Beginn der erwarteten Unwetter - also gestern - eine Unwetterwarnung von der NÖ Landeswarnzentrale mit der Warnstufe 3 von 3 hinsichtlich Niederschlag und Hochwasser erhalten.

Die Daten für die Warnung kommen von GeoSphere Austria (ZMAG) und dem hydrologischen Dienst des Landes NÖ. Sie prophezeien die Gefahr für eine Dauer von 12.09., 00:00 Uhr bis 16.09., 00:00 Uhr.

Vorhersage

Vorhergesagt werden anhaltend intensive Niederschläge, die zunächst vorwiegend am Südalpenrand, ab Donnerstag Abend verstärkt in Ostösterreich und am östlichen Alpennordrand niedergehen. Ab Freitag ist in Ostösterreich und am Alpennordrand mit anhaltenden und sehr intensiven Niederschlägen zu rechnen, die bis zum Morgen des Montags anhalten werden. In der Fläche sind verbreitet um die 200 mm Niederschlag zu erwarten, örtlich und in Staulagen kann dieser Wert übertroffen werden.

Der Wind lebt ab Freitag nachmittags auf und verstärkt sich im Laufe des Samstags auf Windspitzen verbreitet von 60 bis 90 km/h, in exponierten Lagen auch darüber.

Die räumliche und zeitliche Verteilung der Niederschlagsschwerpunkte ist noch nicht bekannt, sodass eine punktgenaue Prognose derzeit nicht möglich ist.

An Thaya und March werden auch größere Hochwasserspitzen als HQ30 möglich erachtet. Für die Donau wird die Entwicklung in Richtung eines HQ5 bis HQ10 abgeschätzt.

Nur, dass Sie eine Vorstellung bekommen, was HQ30 für uns bedeutet. Momentan fließt die March mit ca. 20 m3 pro Sekunde, dann kommen 1.000 m3 pro Sekunde.

Erste Maßnahmen

Zuerst sage ich mal eigene Verpflichtungen in weiter Ferne ab. Wenn ich möglicherweise vor Ort als Einsatzleiter gefragt bin, kann und will ich am Sonntag nicht nach Krems fahren.

Dann nehme ich Kontakt mit unserem FF-Kommandaten HBI Ing. Philipp Kuril auf, denn unsere Feuerwehr sehe ich als wichtigsten Teil meines Teams im Falle des Falles. Er hat die Warnungen ebenso erhalten und seine Kameraden natürlich schon gut vorbereitet. Verantwortungsbewusst, wie sie nun mal sind, war das nicht anders zu erwarten.

Anschließend rede ich mich mit meinem Bauhofsleiter Roman Tatzber betreffend Erreichbarkeiten im Ernstfall zusammen und wir vereinbaren alle Fahrzeuge und Geräte aufzutanken, sowie Reservekanister zu füllen.

Zu guter Letzt suche ich dann noch den Kontakt zu unserem Wassermeister Herbert Hahn. Er ist verantwortlich für alle Schleusen und wird vor dem Ereignis noch kontrollieren, ob alle schön gängig sind. Die Kläranlage ist ohnehin immer voll funktionstüchtig. Das Fassungsvermögen unseres Kanals können wir nicht von heute auf morgen erhöhen. Wenn tatsächlich zu viel Wasser kommt, kann es sein, dass er dieses nicht mehr aufnehmen kann.

Selbstschutz

Für Oberflächenwasser ist dann auch Selbstschutz gefragt, mit Barrieren aus Sandsäcken oder Hochwasserkits aus Aluprofilen lassen sich Garagenabfahrten oder Kellereingänge gut sichern.

Auf Grund der intensiven Niederschläge ist verbreitet mit Wasseransammlungen und lokalen Überflutungen zu rechnen. Bäume können im durchnässten Boden ihre Standfestigkeit verlieren. Der Aufenthalt im Freien und im Bereich von Gewässern ist deshalb möglichst zu vermeiden.

Danke

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, an dieser Stelle allen Genannten für die Unterstützung zu danken. Natürlich auch allen anderen Kollegen im Gemeindedienst, Kameraden bei der Feuerwehr und den Blaulichtorganisationen. Auch den vielen Freiwilligen, die im Ernstfall stets zur Stelle sind, möchte ich jetzt schon danken. Auch wenn ich hoffe, dass es nicht so schlimm werden wird und wir Euch gar nicht brauchen. Es ist schon beruhigend zu wissen, dass wir aufeinander zählen können.

Dafür dankbar verleibt:

Unterschrift