Hohenau wird Schlammpeitzker-Zentrum

Schlammpeitzger-Projektgruppe

Die Projektbeteiligten zur Besichtigung des zu verbessernden Lebensraums in den March-Thaya-Auen unterwegs.

Der Schlammpeitzger ist ein faszinierender, leider bedrohter, bis 30 cm langer Fisch. Er gilt als langlebiger Fisch, dem eine Lebensdauer bis über 20 Jahre nachgesagt wird. In Anpassung an den Lebensraum können diese Fische auch atmosphärischen Sauerstoff nutzen, indem sie Luft schlucken, die den Darm passiert und durch den Anus wieder ausgeschieden wird. Dies geschieht vor allem bei aufziehenden Gewittern mit der damit verbundenen Sauerstoffdiffusion aus dem Wasser. Die entsprechende Geräuschentwicklung dieser Darmatmung sorgte bei der Fischart auch für die Namensgebung „Gewitterfurzer“. Im Schlamm vergraben können Schlammpeitzger mit dieser Anpassung sogar eine temporäre Austrocknung des Gewässers überdauern.
Der ursprüngliche Lebensraum des Schlammpeitzgers sind naturbelassene, dynamische, stehende bis langsam fließende Gewässer mit Schlammgrund. Dieser Gewässertyp ist heute häufig in verlandenden Altwässern, Grabensystemen und abgeschnittenen Mäandern realisiert. Ein Schwerpunkt des Vorkommens dieser Art besteht deshalb in den Augewässern an der March und der unteren Thaya. Diesem Bestand kommt eine österreichweite Bedeutung zu.

Die Wiesen und Ackerflächen zwischen Rabensburg und Hohenau sind durch ein verzweigtes Grabensystem durchzogen. Diese Gräben sind ursprünglich alte Flussläufe der Thaya. Seit Jahrhunderten werden diese Thayarelikte zur Steuerung des Wasserhaushaltes genützt: Wiesen und Ackerflächen wurden be- und entwässert, in Rabensburg eine Mühle (Mühlgraben) und in der Adamslust Fischteiche betrieben.

Während Mühle und Fischteiche längst nicht mehr bestehen, erfüllen die Gräben immer noch eine wichtige Funktion zur Entwässerung vernässter Flächen. Heute nehmen sie auch die Abläufe der Kläranlagen auf. Neben all diesen wasserwirtschaftlichen Funktionen sind diese Gräben aber auch Lebensraum für so manche seltene Tier- und Pflanzenart. So ist z.B. der oben erwähnte und schon selten gewordene „Schlammpeitzger“ in diesem Grabensystem zu finden.

Aus diesem Grunde haben sich im Vorjahr die Bürgermeister Mag. Wolfram Erasim und Wolfgang Gaida sowie von der Gutsverwaltung Liechtenstein Direktor DI Hans-Jörg Damm mit Experten zusammengefunden und über die Möglichkeiten diskutiert, notwendige Grabenräumungen künftig ökologisch schonender zu gestalten. Dieser Tage gelangte ein Vorprojekt zum verbesserten Schutz des Schlammpeitzgers bei Grabenräumungen in den March-Thaya-Auen zum Abschluss. Für die Projektabwicklung zeigte sich der Verein Auring verantwortlich. Die Idee dafür stammte von Dr. Gerhard Käfel, der in jungen Jahren schon Studienarbeiten zu diesem Thema in den March-Thaya-Auen durchführte. Die Finanzierung übernahmen der NÖ-Landesfischereiverband und der Fischereirevierverband II. Das Konzept wurde vom Büro "Blattfisch" umgesetzt.

Angestoßen durch dieses Vorprojekt ist es dem Verein AURING mit Obmann Dipl.-Ing. Thomas Zuna-Kratky gelungen, zusammen mit der Gemeinde Hohenau, der Liechtenstein AG und dem Büro Blattfisch ein Projekt bewilligt zu bekommen, das den Lebensraum des Schlammpeitzgers im Auvorland von Hohenau langfristig verbessern soll. Mit Hilfe einer Förderung durch den Biodiversitätsfonds soll der Wasserrückhalt in den Gräben auch in Trockenzeiten gesichert werden, Wanderungen zwischen den Gewässern durch gezielte Grabeneintiefungen möglich und verlandete Laichplätze wieder ausgebaggert werden. Begleitende Untersuchungen haben bereits Nachweise des Schlammpeitzgers in Teilen des Gewässersystems erbracht, zusammen mit einer Reihe seltener Amphibien und Libellen wie Donau-Kammmolch und Keilfleck-Mosaikjungfer. Da diese stabilen Gewässerverhältnisse positive Wirkung auf die Gelsenregulierung haben werden, wird auch mit dem Verein der Biologische Gelsenregulierung zusammengearbeitet. Im September 2025 wird das fertige Projekt bei einem internationalen Schlammpeitzgerworkshop in Hohenau an der March präsentiert und hoffentlich Vorbild für ähnliche Projekte an March und Thaya werden.



Bericht zum Vorprojekts (2,76 MB) - .PDF