Zur Gelsensituation

Achtung: dieser Eintrag ist nicht mehr aktuell!

Wohnungen am alten Sportplatz

Schon Anfang April war unsere Gelsenwehr im Auwald unterwegs, um die Larvenpopulation der Frühjahrsgelse zu regulieren. Trotz winterlicher Verhältnisse entwickelten sich schon Larven in teilweise noch gefrorenen Wasserstellen. Für die Bevölkerung gab es keine Belästigung durch Gelsen.

Dann erreichte uns ein erstes Frühjahrshochwasser mit 4,70m und es bildeten sich unvorstellbar viele und große Wasserflächen zwischen Fluss und Damm. Beprobungen der daraus entstandenen Gelsenbrutstätten ergaben Larvenpopulationen von bis zu 1.500 Larven pro Liter. In schwer zugänglichem Terrain erfolgte daraufhin die Regulierung mittels unserer Gelsenwehren mit Rückenspritzen.

Aufgrund der geringen Anzahl an Freiwilligen konnte nicht das gesamte Gebiet betreut werden. Man erreichte leider nur 70% der zu behandelnden Flächen. Dort erreichte man aber einen Wirkungsgrad von 95%. Das ergaben die Nachkontrollen. Unter diesen Voraussetzungenwar die Belästigung der Bevölkerung unnötig. Man hätte mit mehr Freiwilligen mehr erreichen können.

Dass es nicht immer so „gelsenarm“ weiter gehen konnte, wie nach den beiden niederschlagsarmen Jahren 2011 und 2012, war klar, aber das, was diesen Juni folgte, glich einem „Gelsensupergau“! So gut wie den ganzen Mai regnete es und das nächste Hochwasser im Juni war eine logische Folge. Zum Glück waren die direkten Auswirkungen des Hochwassers bei weitem nicht so verheerend, wie in anderen Teilen Österreichs. Die Auswirkungen auf Gelsen jedoch sehr.

Wir haben dann wirklich unser Bestes gegeben. Die erbrachten Leistungen der Freiwilligen kann diesen nicht hoch genug angerechnet werden. Sie leisteten teilweise unmenschliche Arbeit für uns alle unter erschwerten Bedingungen.

Als die Gelsenbrutstätten zu groß wurden und sich gemeindeübergreifend bildeten, kam erstmals auch der Hubschrauber zum Einsatz. Er war für die Regulierung von über 300ha insgesamt 14 Stunden unterwegs. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie aufwendig so ein Einsatz schon in der Vorbereitung ist. Es wurden jedoch keine Mühen gescheut und weder als Verein für alle Projektgemeinden, noch in unserem eigenen Bereich, wurden Kosten gescheut. Das Erbenis war deshalb auch sensationell. Wir erreichten ca. 95% Wirkungsgrad!

Und trotzdem konnten wir ein paar Tage später nicht auf der Terasse sitzen oder sich im Garten aufhalten. Abgesehen von den hausgemachten Gelsenzuchten am Kellerberg (siehe linke Seite), setzten auch noch starke Winde ein, die uns einserseits Gelsen aus Naturschutzgebieten auf österreichischer Seite (Rabensburg, hier darf überhaupt nicht bekämpft werden) bzw. aus dem sogenannten Suotok und aus der Slowakei (hier könnte zwar bekämpft werden, aber es wird nichts unternommen) brachten.

Es ist ein schwacher Trost, sich vor Augen zu halten, dass es ohne Regulierungsmaßnahmen bei uns noch viel schlimmer gekommen wäre. Man muss sich eingestehen, dass die Gelsenproblematik unter den genannten Bedingungen trotz allergrößter Anstrengungen von uns allein nicht beherrschbar ist.

Dieses Aufkommen ist eindeutig als Katastrophe einzustufen und für eine derartige Situation muss es eine großflächige, überregionale, weit über unser derzeitiges Projektgebiet hinausreichende Lösung der Gelsenproblematik geben.

Seit Jahren bemühe ich mich darum, unser ausgereiftes und erprobtes Projekt auch in der Slowakei zu etablieren. Die slowakischen Behörden verhandeln jedoch gar nicht viel mit mir als „kleinem“ Bürgermeister, sondern fragen sich, warum auf österreichischer Seite keine Initiative von Seite der Landesregierung oder eines Ministeriums gesetzt wird.

Vor allem vor dem Hintergrund, dass Forscher der AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) erstmals in unserer Region eine Stechmücke als potentiellen Überträger von Malaria nachgewiesen haben. Es besteht zwar (noch) kein Grund zur Panik, aber die Ansteckungsrisiken durch Gelsen sind zumindest als gesundheitspolitisch relevant einzustufen. Land oder Gesundheitsministerium müssten deshalb reagieren!

Viele Gemeinden entlang der Donau und auch anderen Flüssen sitzen im selben Boot, weshalb ich mich darum bemühen werde, mit ihnen gemeinsam, ein globaleres, erfolgversprechenderes Herangehen an die Gelsenproblematik zu erreichen.

Mit den besten Wünschen für einen möglichst lebenswerten Sommer!

Ihr Bürgermeister Robert Freitag